Steuerliche Schnittstellen bei Remote Work und grenzüberschreitendem Arbeiten
Steuerliche Fragen frühzeitig erkennen und in das Gesamtprojekt einordnen
Von Rechtsanwältin Dr. Theresa Rath
Warum grenzüberschreitendes Arbeiten steuerliche Fragen auslöst
Wer in einem Staat lebt und für Auftraggeber oder eine berufliche Struktur in einem anderen Staat arbeitet, bewegt sich regelmäßig in mehreren rechtlichen Systemen. Der aufenthaltsrechtlich zulässige Wohn- und Arbeitsort entscheidet dabei nicht automatisch, wo Einkommen zu versteuern ist oder welche Erklärungs- und Registrierungspflichten entstehen.
Auch die sozialversicherungsrechtliche Zuordnung beantwortet die Steuerfrage nicht. Steuerrecht, Sozialversicherung und Aufenthaltsrecht verwenden unterschiedliche Anknüpfungspunkte. Ein tragfähiges grenzüberschreitendes Modell muss diese Ebenen getrennt prüfen und anschließend miteinander abstimmen.
Die rechtliche Beratung beschränkt sich auf deutsches Recht einschließlich der in Deutschland anwendbaren unionsrechtlichen Vorgaben. Eine steuerrechtliche Beratung wird nicht erbracht.
Wohnsitz und tatsächlicher Aufenthalt
Aus deutscher Sicht kann bereits eine weiterhin verfügbare Wohnung einen steuerlichen Wohnsitz begründen. Daneben kann ein gewöhnlicher Aufenthalt relevant sein. Ein Umzug ins Ausland oder eine melderechtliche Abmeldung beseitigt deshalb nicht zwingend jede deutsche steuerliche Anknüpfung.
Gleichzeitig kann auch der neue Wohnstaat eine Person nach seinem nationalen Recht als steuerlich ansässig behandeln. Bestehen Anknüpfungspunkte in zwei Staaten, muss das einschlägige Doppelbesteuerungsabkommen geprüft werden. Es verteilt Besteuerungsrechte und soll Doppelbesteuerung vermeiden; es ersetzt jedoch nicht die vorgelagerte Prüfung der nationalen Steuerpflicht. Gerade über die Bedeutung häufig genannter Faustregeln wie der 183-Tage-Regel bestehen dabei viele Missverständnisse.
Für Remote Work müssen tatsächliche Arbeitstage regelmäßig nach Staaten dokumentiert werden. Ein digitaler Auftrag, ein deutscher Vertrag oder die Zahlung auf ein deutsches Konto verlagern den physischen Arbeitsort nicht automatisch nach Deutschland.
Selbständige Tätigkeit in mehreren Staaten
Für Selbständige kann neben der persönlichen Ansässigkeit auch relevant werden, wo die Tätigkeit tatsächlich ausgeübt wird, welche berufliche Infrastruktur in den beteiligten Staaten besteht und wie die Beziehungen zu Auftraggebern organisiert sind. Diese Fragen sollten früh erkannt werden, damit sie von qualifizierten Steuerberatern in den jeweils betroffenen Staaten geprüft werden können.
Ein steuerlicher Prüfungsbedarf kann beispielsweise entstehen, wenn regelmäßig aus dem ausländischen Homeoffice gearbeitet wird, die deutsche berufliche Struktur fortbesteht oder Einnahmen und Arbeitstage mehreren Staaten zugeordnet werden könnten. Die Aufgabe dieser Seite ist es, für solche Schnittstellen zu sensibilisieren – nicht, ihre steuerrechtliche Bewertung vorwegzunehmen.
Doppelbesteuerungsabkommen koordinieren – sie vereinheitlichen nicht
Deutschland hat mit zahlreichen Staaten Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen. Die Abkommen können festlegen, welcher Staat bestimmte Einkünfte besteuern darf und wie der andere Staat eine Doppelbesteuerung vermeidet. Die Regelungen unterscheiden sich jedoch nach Staat, Einkunftsart und konkreter Konstellation.
Für ein Modell mit Italien, Spanien, Portugal oder einem anderen Staat muss daher das tatsächlich anwendbare Abkommen herangezogen werden. Allgemeine Internetinformationen oder eine aus einem anderen Land übernommene Lösung können eine fallbezogene Prüfung nicht ersetzen.
Steuerfragen als Teil eines koordinierten Gesamtprojekts
Bei einem grenzüberschreitenden Lebens- und Arbeitsmodell laufen mehrere Arbeitsstränge zusammen. Die migrations- und freizügigkeitsrechtliche Struktur bildet den Ausgangspunkt; sozialversicherungsrechtliche, steuerliche und gegebenenfalls berufsrechtliche Fragen werden als eigenständige Teilbereiche in das Gesamtprojekt eingeordnet.
Die übergeordnete Koordination kann bei RATH HAGEN gebündelt werden. Der Sachverhalt, die Reihenfolge der notwendigen Prüfungen und die Schnittstellen zwischen den beteiligten Beratern werden zentral organisiert. Die steuerliche Bewertung und Gestaltung verbleibt bei den hierfür qualifizierten Steuerberatern; deren Ergebnisse werden anschließend mit den übrigen Teilen des Modells zusammengeführt.
Wann eine Prüfung sinnvoll ist
Ein frühes Problembewusstsein ist besonders vor einem Umzug, vor der Aufnahme regelmäßiger Remote-Arbeit im Ausland oder bei einer wesentlichen Veränderung der selbständigen Tätigkeit sinnvoll. Bei einem bereits gelebten Modell kann zunächst geklärt werden, welche steuerlichen Fragen überhaupt an spezialisierte Berater weitergegeben werden müssen.
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FAQ
Grenzüberschreitendes Projekt koordinieren lassen
Die rechtlichen Arbeitsstränge werden als Gesamtprojekt strukturiert. Steuerliche Fachfragen werden von qualifizierten Beratern geprüft und mit den migrations- und sozialversicherungsrechtlichen Ergebnissen zusammengeführt.




