Familiennachzug zu deutschen Staatsangehörigen 28 AufenthG)

Von Rechtsanwältin Dr. Theresa Rath

Familiennachzug zu deutschen Staatsangehörigen (§ 28 AufenthG): Aufenthalt zwischen Familienschutz und Einzelfallprüfung

Der Familiennachzug zu deutschen Staatsangehörigen nimmt im Aufenthaltsrecht eine besondere Stellung ein. Anders als bei vielen anderen Aufenthaltstiteln steht nicht primär wirtschaftliche Integration oder Qualifikation im Vordergrund, sondern der Schutz familiärer Beziehungen. Gleichzeitig bedeutet dies nicht, dass Verfahren automatisch unkompliziert verlaufen. Gerade bei Ehegattennachzug, Eltern-Kind-Konstellationen oder ungeklärten familiären Situationen entstehen häufig rechtliche Fragen, die über die reine Vorlage von Dokumenten hinausgehen.

Familiennachzug zu Deutschen betrifft nicht nur Ehegatten. Praktisch relevant werden insbesondere drei Konstellationen:

  • Ehegattennachzug zu deutschen Staatsangehörigen
  • Nachzug minderjähriger Kinder
  • Aufenthaltsrechte von Elternteilen über ein deutsches Kind

Jede dieser Fallgruppen folgt unterschiedlichen rechtlichen Voraussetzungen und wird teilweise unterschiedlich geprüft. Was in einer Konstellation verlangt werden darf, kann in einer anderen unzulässig sein.

Ehegattennachzug: Ehe, Lebensgemeinschaft und Sprachnachweise

Beim Ehegattennachzug prüfen Behörden regelmäßig nicht nur, ob eine Ehe formell besteht, sondern ob eine tatsächliche eheliche Lebensgemeinschaft beabsichtigt ist. Dies betrifft insbesondere internationale Ehen, längere Trennungszeiten oder widersprüchliche Angaben.

Nicht jede im Ausland geschlossene Ehe wird automatisch ohne weitere Prüfung übernommen. Gleichzeitig darf die Bewertung nicht schematisch erfolgen. Entscheidend bleibt häufig, ob die Partnerschaft tatsächlich gelebt werden soll und nachvollziehbar erscheint.

Ein weiterer Schwerpunkt vieler Verfahren betrifft Sprachkenntnisse.

Grundsätzlich können einfache Deutschkenntnisse verlangt werden. Diese Voraussetzung darf jedoch nicht dazu führen, dass Familiennachzug faktisch auf unbestimmte Zeit verhindert wird. Je nach Einzelfall können Ausnahmen bestehen, etwa wenn Spracherwerb unmöglich, unzumutbar oder mit unverhältnismäßigen Belastungen verbunden wäre.

Familiennachzug zu deutschen Kindern

Besondere Bedeutung haben Fälle, in denen ein Aufenthalt über ein deutsches Kind abgeleitet wird.

Hier rücken Fragen in den Mittelpunkt wie:

  • tatsächliche Betreuung
  • Sorgeverantwortung
  • persönliche Bindung
  • Kindeswohl
  • Folgen einer Trennung

Formale Elternschaft genügt häufig nicht allein. Behörden prüfen teilweise, ob tatsächlich Verantwortung übernommen wird und welche Auswirkungen eine Trennung auf das Kind hätte. Gleichzeitig dürfen familiäre Bindungen nicht ausschließlich schematisch bewertet werden.

Lebensunterhalt und Wohnraum

Anders als bei manchen anderen Aufenthaltstiteln werden Anforderungen an Lebensunterhalt oder Wohnraum beim Familiennachzug zu Deutschen nicht immer in gleicher Weise angewendet.

Gerade hier entstehen praktische Missverständnisse. Was bei anderen Aufenthaltstiteln regelmäßig verlangt wird, kann bei §28 teilweise anders bewertet werden. Die konkrete Fallgruppe bleibt entscheidend.

Verzögerungen und Ablehnungen

Familiennachzugsverfahren ziehen sich in der Praxis teilweise über Monate.

Häufige Konfliktpunkte sind:

  • Sprachnachweise
  • Nachweise familiärer Bindungen
  • Dokumentenprüfung
  • Eheschließungen im Ausland
  • Abstammungsnachweise
  • Behördenzweifel an der tatsächlichen Lebensgemeinschaft

Nicht jede Verzögerung ist rechtlich hinzunehmen. Teilweise können lange Verfahren selbst relevant werden, wenn familiäres Zusammenleben faktisch verhindert wird.

Langfristige Perspektiven nach dem Familiennachzug

Ein Aufenthalt nach §28 kann unter bestimmten Voraussetzungen langfristige Folgen haben.

Je nach Konstellation kommen später insbesondere in Betracht:

  • Niederlassungserlaubnis
  • eigenständiges Aufenthaltsrecht nach Trennung
  • Einbürgerung
  • Verfestigung des Aufenthalts

Die erste Aufenthaltserlaubnis stellt deshalb häufig nicht das Ende des Verfahrens dar, sondern den Beginn einer längerfristigen aufenthaltsrechtlichen Entwicklung.

Familiennachzug ist damit selten ein rein formales Visumverfahren. In vielen Fällen entscheidet die rechtliche Einordnung familiärer Beziehungen darüber, welche Voraussetzungen gelten und welche Anforderungen Behörden tatsächlich stellen dürfen.

FAQ

Dr. Theresa Rath

Dr. Theresa Rath

Dr. Theresa Rath berät im Aufenthaltsrecht, Business Migration und Staatsangehörigkeitsrecht. Sie berät auf Deutsch, Englisch, Spanisch, Italienisch und Portugiesisch.

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